| Dem Himmel ein Stück näher...
...wollte die Wandersparte des 1. BDSV Propper Banane e. V. sein. Zu diesen Zweck trafen sich zu nachtschlafender Zeit am 26.05.97 11 Wanderburschen und -mädchen vor dem Galerie Stübchen. Koffer und Rucksäcke, Wanderstöcke und -schuhe und eine Gitarre wurden in drei Pkw verstaut. Sigrid und Leonhard Rachtan, Karin und Herbert Truxius, teilten sich ein Fahrzeug; Maik Plonka und Frank Woidtke stiegen ins Auto von Helgard und Kurt Jarche; und Peter Saager gesellte sich zu Ute und Werner Neumann. Endlich um 4.00 Uhr konnte es losgehen; auf die Autobahn und Richtung Süden. Bei Sonnenaufgang durch die Kasseler Berge und die Rhön, vorbei an Würzburg und Rothenburg ob der Tauber, wurde in Ellwangen ein Tank- und Raststop eingelegt. Bis zum Autobahnende kurz vor Füssen mussten wir noch 11/2 Stunden fahren und dann ging es am Fuße der Alpen entlang, vorbei an den Königsschlössern Hohenschwangau und Neuschwanstein, zu unserem Zielort, dem ca. 850m hoch gelegenen Bergbauerndorf Wildsteig, im Herzen des Pfaffenwinkels an der Romantischen Straße. Unsere Wirtin, Frau Schmelzer, ”eine Seele von Mensch", erwartete uns bereits und zur Begrüßung gab’s für jeden eine herzliche Umarmung und zur Einführung in bayerisches Brauchtum einen halben Liter Festbier. Auf dem anschließenden Rundgang durch unseren Urlaubsort erfuhren wir von den Familien Truxius und Jarche, die schon zum wiederholten Mal hier zu Besuch waren, einiges Wissenswerte über den Ort. Die Bergbauerngemeinde Wildsteig, etwa 850-950 Meter hoch belegen, liegt zentral inmitten des reizvollen und abwechslungsreichen Hochland zwischen Ammer und Lech im Oberbayerischen Pfaffenwinkel. Schon im Mittelalter, die “wilde Steige" genannt, hat sie ca. 1100 Einwohner und umfasst 19 Ortsteile.
Wanderung zu den Schleierfällen
Nach einem guten, reichhaltigen Frühstück sollte, quasi zur Aufwärmung, eine Wanderung zu den nahegelegenen Schleierfällen unternommen werden. Außer Karin und Sigrid, die einen Einkaufsbummel unternehmen wollten und zu diesen Zweck mit dem Bus nach Füssen fuhren, nahmen alle daran teil. Gegen 9.00 Uhr ging es durch die sanften Hügel des Oberallgäuer Voralpenlandes in Richtung Ammer. Schon bald erwärmte die Vorsommersonne die fröhliche Schar Wanderer und beim Abstieg zur Ammer kamen einige sogar richtig ins Schwitzen. Sie waren aber auch schwer begehbar, diese oft kniehohen in den Fels- und Waldboden gehauenen Stiegen. Dafür war dann um so erfrischender das Fußbad in der Ammer, einem glasklaren Gebirgsfluss, der Ute zum Küh- len der müden Sohlen einlud. Und dann standen wir direkt vor den Schleierfällen. Ein kalk- haltiges Bergbächlein aus den höher gelegenen Felsen, stürzt in Millionen kleiner Tropfen über die mit seltenen Moosen bewachsenen Steinnasen in die Tiefe. Nachdem Hunger und Durst gestillt waren, ging es dann bergauf, bergab immer an der Ammer entlang. Oft musste auf den beschwerlichen zu gehenden Wegen eine Zwischenrast zum Verschnaufen gemacht werden. Langsam aber wurde der Weg leichter und ein eingeschobenes "Wettwandern" konnten Maik und Leonhard für sich entscheiden, die als Erste wieder an der Unterkunft eintrafen. Am Abend wurde dann beim gemeinsamen Grillen tüchtig zugeschlagen. Anschließend entzündete Kurt ein Feuer im hinter dem Haus stehenden offenen Kamin und zur Gitarre wurden Wanderlieder und Folksongs gesungen. Dabei wurde auch folgendes Vereinslied aus der Taufe gehoben, das sofort bei allen großen Anklang fand:
BANANEN - POWER
In der schönen Stadt des Löwen, Brunsviga wird sie genannt, gibt es einen kleinen Sportverein, von dem spricht das ganze Land.
Seinen Schlachtruf kennt ein jeder und die Mauern stürzen ein wenn es tönt: Bananen-Power, denn es rufen Groß und Klein:
OH BANANEN-POWER, DER ETWAS ANDERE SPORTVEREIN. OH...
Und sie spielen in der Liga Dart und Schach, und wandern gern um sich mit Freunden zu messen sportlich fair in Nah und Fern.
Sie begeben sich auf Großfahrt, laden Sportler zu sich ein, feiern Feste, wie sie fallen: der etwas andere Sportverein.
OH BANANEN-POWER, DER ETWAS ANDERE SPORTVEREIN. OH...
Eine Erfahrung historischer und kultureller Sehenswürdigkeiten
Um den müden Füßen von der ungewohnten ersten Wanderung im Oberallgäuer Land ein wenig Ruhe zu gönnen, wurde beim Frühstück kurzerhand die Mittwochswanderung in eine “Erfahrung” einiger Sehenswürdigkeiten in der weiteren Umgebung umfunktioniert. Erster ausgedehnter Fotostop war vor der alten Stadtmauer von Schongau. Dieser Ort an der Romantischen Straße wurde schon im 13. Jahrhundert mit eigenen Rechten ausgestattet. Wir betraten die Altstadt auf historischem Weg durch das Frauentor, einem der wenigen Durchlässe in der mit einem Rundwehrgang ausgestatteten Stadtmauer. Unser etwa einstündiger Spaziergang führte uns vorbei am alten Ballenhaus und anderen Zeugnissen längst vergangener Zeit durch die Altstadt, die für meinen Geschmack schon zu viele neuzeitliche Züge trägt. Weiter führte uns der Weg unserer Autowanderung zur Wallfahrtskirche auf den Peißenberg, von wo wir, etwa 1000 Meter hoch gelegen, einen herrlichen Rundblick über den Pfaffenwinkel im Bayerischen Land hatten. Hier herrschte allerorts emsiges Treiben bei den Vorbereitungen zum bevorstehenden hohen kirchlichen Feiertag. Nach der Besichtigung der Wallfahrtskirche ging es weiter Richtung Süden. Unser nächstes Etappenziel sollte der Doppelort Garmisch-Partenkirchen am Fuße des Werden- felser Landes sein. Schon oft hiergewesen, geht für mich von diesem Ort eine unbeschreibliche Faszination aus. Nahezu auf Schritt und Tritt durch die Touristenmetropole fühlt man sich von dem gigantischen Zugspitzmassiv „beobachtet". Reichlich eingedeckt mit mehr oder weniger originellen Andenken ging es weiter, nicht ohne eine fast feierliche Verabredung mit Deutschlands höchstem Berg für den übernächsten Tag eingegangen zu sein. Ein unbedingtes Muss beim Aufenthalt in dieser Region stand mit dem kleinen Ort Oberammergau und dem Kloster Ettal als nächstes auf der Tagesordnung. Herrlich bemalte Hausfassaden und der überwältigende Prunk der Klosterkirche ließen die für mich fast erdrückende Macht der Kirche allgegenwärtig sein. Ein reichhaltiges Abendessen in der Nähe unseres Urlaubsortes rundete diesen erlebnisreichen Tages ab.
Gipfelstürm im Dreierpack
Am Donnerstag sollte es dann endlich auf den ersten Berg gehen. Von geübten Bergwanderern sicher nur belächelt, war die Besteigung des Hörnle mit 1548 Metern für uns “Flachlandtiroler” eine echte Herausforderung. Die Autos wurden in Bad Kohlgrub geparkt und vorbei am Kurpark und der Talstation der Sesselliftbahn führte ein bequemer Wanderweg zum Fuße des Hörnle. Ich habe noch heute Herberts Worte im Ohr: “So schlimm wird es schon nicht werden!” Aber es kam ganz anders! Über unseren Köpfen die Sessellifte, verwandelte sich der anfangs noch breite Wanderweg mit jedem Schritt in einen steilen, steinigen Aufstieg durch die dicht bewaldeten Hänge des Hörnle. In immer kürzeren Abständen mussten Zwangspausen eingelegt werden, um wenigstens einigermaßen wieder zu Kräften zu kommen. Am oberen Waldrand, die Bergstation schien zum Greifen nahe, lag dann noch eine nicht enden wollende, steile Almwiese vor uns, auf der sich sogar Frank auf halber Höhe nach Luft japsend, ins weiche Berggras fallen lassen musste. Nur Maik kletterte gemsengleich fast leichtfüßig vor uns her und erreichte als erster das Etappenziel, die Bergstation. Alle ziemlich außer Atem, muss wie mir auch Karin und Helgard das bekannte Bergsteigerlied durch den Kopf gegangen sein: “Handschlag, ein Lächeln, Mühen vergessen, ach wie so schön ist die Welt!” Für beide Frauen, die sich wirklich tapfer gehalten haben, war hier Endstation und bergab ging es mit dem Sessellift zu Kaffee und Kuchen nach Bad Kohlgrub. Für uns andere begann jetzt eine vergleichsweise leichte Gratwanderung zu den drei Hörnle-Gipfeln, Kleines Hörnle (1448 m), Mittleres Hörnle (1498 m) und Großes Hörnle (1548 m). Unter dem Gipfelkreuz des Großen Hörnle dann die wohlverdiente Brotzeit mit einem grandiosen Blick auf die Alpengipfel des Karwendelgebirges, des Wettersteingebirges, der Alpspitze (2628 m) und der Zugspitze (2963 m), unserer Verabredung für den Freitag. Im weichen Gras liegend, hing wohl jeder seinen Gedanken nach und “ließ die Seele baumeln”. Geredet wurde nicht viel, über was denn auch? Für mich ist beim Anblick dieser gewaltigen Bergmassive einmal mehr klar geworden, wie klein doch unsere menschlichen Probleme sind, gemessen an der Größe der Natur! Ein gar nicht so schwieriger Abstieg hinunter nach Bad Kohlgrub und ein Besuch der Wieskirche, die als Deutschlands prunkvollste Kirche gilt, rundeten diesen anstrengenden und doch unvergesslichen Wandertag ab.
Auf Deutschland hinabblicken
Wer dieses große Unterfangen vor hat, muss sich auf seinen höchsten Punkt, die Zugspitze (2963 m), begeben. Zu diesem Zweck fuhren wir mit drei Pkw nach Garmisch und stellten diese direkt auf dem Bahnhofplatz der Zugspitzbahn ab. Das Wetter sah gar nicht so vielversprechend aus und so teilten wir uns in drei Gruppen auf. Sigrid und “Leo” begaben sich auf einen Einkaufsbummel durch Garmisch-Partenkirchen, Herbert und Peter wollten noch einmal eine echte Bergtour wagen und der große Rest stieg in die Zugspitzbahn um mit ihr bis zum Schneefemerhaus auf der Sonnalm (2600 m) und weiter mit der Gletscherbahn bis auf knapp 3000 Meter zu fahren. Mein großer Plan, einmal im Alpspitzmassiv bis auf über 2000 Meter bergauf zu wandern, scheiterte schon bei dem Versuch, mit der Hausbergbahn von Garmisch auf 1330 Meter zu gelangen. Unser Weg sollte uns von dort über die Kreuzalm (1590 m); das Kreuzeck (1650 m), und die Hochalm (1705 m) zum Osterfelderkopf (2050 m) führen, aber die Hausbergbahn machte ihre erste Fahrt erst 3 Tage später und ich würde allein wohl umgekehrt sein. Aber mit Herbert an meiner Seite, der wohl wie ich seine Leistungsgrenze ausloten wollte, machten wir uns an den Aufstieg von Garmisch aus. Durch die Wanderung aufs Hörnle trainiert, kamen wir gut voran und befanden uns, nicht weit von der Bergsteigerfaustregel entfernt, - 600 Höhenmeter in einer Stunde -, nach 1 1/4 Stunden am Garmischer Haus in 1335 Meter Höhe. Immer das Felsmassiv vor Augen, ging es weiter über die Kreuzalm zum Kreuzeck. Leider zeigte uns ein Blick in Richtung wolkenver- hangener Hochalm und ein nicht einmal mehr zu erahnenden Osterfelderkopf unsere Grenzen auf. Und so beschlossen wir, und für diesmal dem Wetter zu beugen und mit der Kreuzeckbahn nach einem Imbiss ins Tal zu fahren. Aber aufgeschoben ist noch lange nicht aufgehoben, und ich hoffe, ich kann noch ein paar bergbegeisterte Wanderer dazu überreden, diese Tour (vielleicht mit einer Hüttenübernachtung) mit mir im nächsten Jahr zu machen. Mit einem kurzen Blick auf den Eibsee ging es talwärts und mit der Zugspitzbahn zurück nach Garmisch, wo wir uns alle wieder trafen. In der Zwischenzeit waren Helgard, Kurt, Maik, Frank W., Karin, Werner und Ute nach einem kurzen Zwischenstop auf der Sonnalm, bei viel weißem Schnee und strahlendem Sonnenschein, auf dem Zugspitzgipfel angekommen. Die dünne Luft dort traf einige von uns dann doch ziemlich heftig und wir merkten sehr schnell, dass wir alles etwas langsamer angehen mussten. Nach einem Rundgang bis hinüber nach Österreich setzten wir uns dann in den höchstgelegenen Biergarten Deutschlands. Dort flogen jede Menge Dohlen umher und einige fraßen Karin zutraulich aus der Hand. Ein letztes Umherbummeln, dann machten wir uns auf zur Abfahrtsstelle der Eibseeseilbahn. Nach sehr schnellen 12 Minuten kamen wir am Eibsee an und fuhren mit der Zugspitzbahn zurück nach Garmisch-Partenkirchen.
Heimwärts mit Abstecher ins Mittelalter
Der nächste Morgen brachte nicht nur ein wie immer ausgedehntes, reichhaltiges Frühstück, sondern auch den Abschied von Wildsteig und von der uns in den paar Tagen schon so ans Herz gewachsenen Gastgeberin, Frau Schmelzer, der von dieser Stelle noch einmal Dank für ihre gute Betreuung und ihre liebenswerte Art gesagt werden soll. Noch einmal zog unsere kleine Autokarawane durch den Pfaffenwinkel vorbei am Foggensee zu den Königsschlössern Hohenschwangau und Neuschwanstein. Dort hieß es Abschied nehmen von Sigrid und ”Leo”, und Karin und Herbert, die noch eine Woche länger bleiben durften. Wir anderen machten uns Richtung Füssen und Autobahn auf den Heimweg. Aber was wäre eine so herrliche Wanderwoche ohne einen krönenden Abschluss. So beschlossen wir, mit dem Abstecher nach Rothenburg ob der Tauber noch einmal in längst vergangene Zeiten einzutauchen. Mit dem Gang durch eines der vielen kleinen Stadttore, verbunden mit einem mittelalterlichen Wehrgang, befanden wir uns in einer faszinierenden, fast unwirklichen Welt. In kleinem Kopfstein gepflasterte Gassen legen kleine Lädchen Zeugnis von alten Handwerkskünsten und ehrwürdigem Handel ab. Viele Museen, wie das Kriminalmuseum, das alte Stadthaus, und das Spielzeugmuseum führten den Betrachter in die Vergangenheit. Noch nie habe ich im Frühsommer ein Gefühl von Weihnachtsstimmung gehabt, und genau das will die Welt von Käthe Wohlfahrt in ihren beiden Geschäften vermitteln. Man tritt ein in eine Zauberwelt, die einen den ganzen Besuch über gefangen hält. Viel zu schnell ging der Nachmittag in dieser Märchenwelt zu Ende, von dem ich behaupte, dass es genau der richtige Abschluss für diese anstrengende aber tolle Woche war. Ich hoffe, das ich viele Leser des Bananen-Power neugierig gemacht habe und hoffe auf regen Zuwachs in die Wandergruppe um Herbert.
Peter Saager | |